Auf der Donau von Ulm nach Straubing
Teil 2

Sonntag, 17.05. Ingolstadt – Kloster Weltenburg (40 km)

Bei zunächst bewölktem, mittags sonnigem und trockenem Wetter und guter Strömung passierten wir 2 Schleusen. Mittagspause machten wir in Neustadt nach der Straßenbrücke. Die landschaftlich interessantere Ruderstrecke war die Etappe nachmittags bis zum Tagesziel, dem bekannten Kloster Weltenburg mit seiner barocken Klosterkirche. Für Festtags-stimmung auch auf dem Wasser sorgten ein großes, kommerziell betriebenes Floß und ein Riesenschlauchboot mit Bierfässern und angetrunkenen Sonntags-ausflüglern. Das Kiesufer des Klosters Weltenburg war an diesem schönen Sonntag Familien- und Ausflüglertreffpunkt und auch der Biergarten im Klosterhof war sehr gut besucht.


leider waren beim Gruppenfoto schon 5 auf dem Weg nach Hause - ist uns zu spät eingefallen.

Fünf Ruderer unserer Mannschaft (Manfred, Achim, Hans-Jürgen, Ralf und Bernhard) fuhren nach einem Abendessen nach Hause. Die „Schwaben“ wurde deshalb abgeriggert und verladen. Die „Hotelfraktion“ musste sich mit einer kleinen Pension bescheiden, während die auf 5 reduzierten „Bootshausüber-nachter“ im Gästetrakt des Klosters logierten. Wir nutzten die Zeit für einen Spaziergang zwischen Donau und Klostermauer und ein gutes Abendessen im Biergarten. Um 19:00 wird dieser Biergarten geschlossen; dann kehrt dort eine tagsüber nicht für möglich gehaltene Ruhe ein. Die Lage des Klosters ist toll; ein Spaziergang auf die Höhe oberhalb des Klosters, bspw. auf die Kapelle Frauenberg belohnt Einen mit einem schönen Blick auf das Kloster und die Donauschleife.

Montag, 18.05. Kloster Weltenburg – Walhalla (50 km)

Die Bootshausübernachter genossen das komfortable und gute Frühstück im Kloster – kein Einkaufen, Frühstückmachen und Abspülen. An diesem Morgen war das Kiesufer beim Kloster menschenleer und wir begannen unsere Fahrt mit dem Höhepunkt dieser Wanderfahrt, dem Donaudurchbruch zwischen Weltenburg und Kehlheim.

Sonniges Wetter hatten wir den ganzen Tag. Die Strömung war bis Kehlheim flott, aber nicht gefährlich. Die Ruhmeshalle über Kelheim war teilweise eingerüstet. Ab der Mündung der Altmühl in die Donau in Kehlheim befuhren wir die Großschifffahrtstraße Schwarzes Meer – Nordsee. Die starke Strömung der Donau ließ nach.

Vor der Schleuse in Bad Abbach wurde es schwierig. Boot Helene fährt zunächst backbords durch den Brückenbogen in den Großschifffahrtskanal, wendet dann aber wieder. Nachfolgendes Boot Engel nimmt deshalb den mittleren Brückenbogen und rudert direkt Richtung geschlossenes Wehr. Boot Helene hat zwischenzeitlich entdeckt, dass der Brückenbogen steuerbords mit dem Hinweis „Sportboote“ gekennzeichnet ist. Sie rudern deshalb dort hinüber. Der Versuch des Boots Engel, hinter der Brücke unmittelbar in den Sportbootbereich zu wechseln, wird durch ein Stahlseil verhindert. Während sie durch die Brücke zurückrudern, wird durch die Mannschaft Helene vor der Bootsgasse ein großer blockierender Baumstamm mit seemännischem Wissen und Erfahrung entfernt. Die Bootsgasse ist aber außer Betrieb und kann nicht benutzt werden. Das Schleusenpersonal schickt uns fernmündlich wieder zurück in den Großschifffahrtskanal. Dort ist dann eine für uns ideale Kleinbootschleuse. Ja, wer sagt’s denn?

Mittag machten wir an der Donaufähre Matting, oberhalb von Regensburg. Ein schöner Platz und ein hilfsbereiter Fährmann verhalfen uns zu einer gemütlichen Mittagsrast. Während die meisten Ruderer noch entspannten, begann Uli, unser stellvertretender Fahrtenleiter, mit der Vorbereitung eines Bootes zum Ablegen. Dabei rutschte er an der steilen Uferböschung unglücklich aus und geriet zwischen den Auslegern zwischen Böschung und Bootsrumpf. Fährmann und hinzugerufene Ruderer halfen ihm wieder an Land. Die Mannschaft war von diesem Einsatz des stellvertretenden Fahrtenleiters tief beeindruckt!


damit nicht noch mehr baden gehn, durften einige übers Fährboot einsteigen - ein Dank an den Fährmann für seine Hilfe

Regensburg wird im Großschifffahrtskanal umrudert. Die dortige Schleuse ist riesig und verfügt nicht über eine Kleinbootschleuse. Wir müssen deshalb wegen des Vorrechts der Berufsschifffahrt lange warten. Die Durchfahrt durch den Europakanal und am Regensburger Hafen vorbei bot landschaftlich nicht viel. Unser Tagesziel war Donaustauf, unterhalb der Walhalla gelegen. Ab dem östlichen Stadtrand von Regensburg thronte dann - wie eine Fata Morgana eines weißen Griechentempels - die Walhalla. Unsere etwas beschwerliche Anlagestelle war von osteuropäisch anmutenden Schrebergärten mit selbstgebauten Hütten umgeben.

Die beiden Übernachtungsfraktionen trennten sich hier. Die Bootshauschläfer fuhren zurück zum Ruderverein Regensburg, die anderen suchten nach dem Hotelbezug im Osten von Regensburg vergeblich einen Biergarten. Schließlich landeten sie im Gasthof Berghammer in Kareth, wo trotz des üblichen Montagsruhetags eine 70iger Geburtstagsfeier stattfand. Die Wirtin ließ uns im Außenbereich, einem besseren Schuppen, Festtagsbrate mit Kartoffelknödeln auftragen. Eine schwergewichtige bayrische Blaskapelle wartete dort auf ihren Einsatz und sorgte dann für zünftige Musik. Beim Anblick der Korpulenz einiger dieser Musiker dachte Hans-Reinhart, selbst eine mehrwöchige Fastenkur hinter sich gebracht zu haben.

Dienstag 19.05. Walhalla – Straubing (49 km)

Landschaftlich wird es wieder hügeliger, denn nördlich der Donau erhebt sich der Bayerische Wald. Das Wetter ist durchwachsen, nachmittags beginnt es zu regnen. Zu durchfahren waren die Schleusen Geisling und Straubing; Mittag in Niederachdorf.


Abschied von der Walhalla, die uns noch lange am Horizont begleiten sollte

Unser nachmittäglicher Landdienst Fred und Frank wartet im Bootshaus des Straubinger RC lange auf die Ruderer und macht sich schon Sorgen über die müden Helden. Grund dafür ist, dass sie im Oberwasser der Schleuse Straubing liegen und zunächst einem Bergfahrer Vorrang lassen mussten. Danach warteten sie in strömendem Regen geduldig - bei Mitgliedern von Rudervereinen unüblich - auf Durchlass. Der Schleusenwärter hat sie „einfach vergessen“.
Interessant ist ein Sprung in der Flusskilometrierung der Donau in der Schleuse Straubing – sie hat unterhalb der Schleuse plötzlich 5,72 km weniger - ein Blick auf die Karte klärte danach dieses Missverhältnis auf, die alte Donau macht hier ein Schleife von 5,5 km.

Das Bootshaus des Straubinger RV hat durch zwei Details beeindruckt: Viele Wände und Decken sind aus Holz, was ein warmes, alpenländisches Flair verbreitet. Am Tor d. Bootshalle zeigt eine Hochwassermarke in Schulterhöhe den Wasserstand vom Juni 2013 und vor dem Treppenaufgang von der Bootshalle zu den Funktionsräumen im Obergeschoss ist ein Hochwasserschott angebracht.


letzte Rast vor dem grossen Regen, der sich hier schon wolkentechnisch ankündigte

Am Abend checkte Hans-Reinhardt die wetterbedingte Stimmung über die geplante letzte Halbtagesetappe - 35 Ruder-km ohne Schleuse von Straubing bis Deggendorf. Wir kamen überein, bei weiter regnerischem Wetter die Wanderruderfahrt hier in Straubing zu beenden. In einer guten Straubinger Gaststätte ließen wir die Fahrt ausklingen.

Mittwoch 20.05. Rückreise von Straubing

Der vortags angekündigte Dauerregen war am Mittwochmorgen Realität ohne Aussicht auf Änderung. Also riggerten wir ohne Diskussion die Boote ab, verstauten das Material und fuhren zeitig Heimwärts. Infolge eines Unfalls auf der Autobahn trafen wir spätnachmittags in Esslingen ein und putzten und verräumten routiniert Boote und Material.
Schön war’s mal wieder! Das führte auch dazu, dass Hans-Reinhardt freundlichst gebeten wurde, sein Amt als Wanderruderwart und Fahrtenorganisator doch fortzuführen!

Bericht: Fred Loos und Ralf Stürner

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